Die Frage, welchem Profil Sie als Bewerber entsprechen sollten, ist nicht ganz einfach: Denn als Bewerber haben Sie zwei Aufgaben. Sie müssen eine Botschaft über sich selbst vermitteln („wer bin ich?“) und Sie sollten offen für die Organisation sein, die ihnen Verantwortung anvertrauen will. Im Umkehrschluss heißt das: Alle anderen Dispositionen, die in Ihrer Persönlichkeit enthalten sind, sind nur zu dem Grad wertvoll, wie die Position und die Organisation diese für den konkreten Job tatsächlich brauchen. Konkret bedeutet dies, dass die Werte und Interessen, die im Karrierekompass (Wertebericht) auf Basis des Motives, Values and Preference Inventory (MVPI) dargestellt werden (http://www.my-assessment.de/methodik.php), denen der Organisation weitestgehend entsprechen sollten, bei der Sie sich bewerben. Sie können das herausfinden, indem Sie aus dem Ergebnisbericht des Karrierekompass herauslesen, welche Arten von Organisationen Ihnen entsprechen und welche nicht. Sie können dann den Kreis möglicher Organisationen, schnell eingrenzen. Die Dimensionen des Career Builder sind prädestiniert, Verhalten in Interviewsituationen, also die klassische Bewerbungssituation, vorherzusagen. Die Ausgeglichenen, wenig besonnen aber dafür Wissbegierigen werden auf die Zukunft verweisen und (Luft-)schlösser bauen. Die Hoch-Ehrgeizigen sollten aufpassen, nicht gleich den Posten des zukünftigen Chefs haben zu wollen. Die hoch sozial umgänglichen sollten auch zuhören lernen. Die mit starkem zwischenmenschlichen Feingefühl sollten auch zeigen, dass sie anderen sagen können, wo es lang geht und wo auf keinen Fall. Es gibt kein Profil aus dem Career Builder, das ideal für alle Jobprofile ist. Damit wäre der Vielfalt der Jobs am Arbeitsmarkt und an Persönlichkeiten nicht Genüge getan.
Es gibt aber ein Profil, mit dem man gut durch Interviews kommt – nur leider kann man sich nicht solange im Interview verstellen. Also bleibt Ihnen nur übrig, dass Sie sich selbst durch die Tests besser kennen lernen. Damit wissen Sie, wie Sie sich anderen präsentieren, welchen Eindruck sie von Ihnen wohl haben werden. Dann entscheiden Sie für welches Gespräch und für welches Unternehmen Sie damit geeignet wären. In dem Interview selbst sollten Sie dann Ihr volles Verhaltensrepertoire ausschöpfen. Mit Hilfe der zwei Hogan Tests, wissen Sie dann, wo Sie kompensieren und wo Sie bremsen sollten. Personen mit hohem Ehrgeiz neigen dazu, mit allem und jedem in Konkurrenz zu treten. Sie lieben diesen Kitzel. Im Interview wäre das wohl der falsche Ansatz. Personen mit hoher Besonnenheit neigen zu starker Strukturierung und wenig Flexibilität. Im Interview ist aber erstmal Flexibilität grundsätzlich gefragt, auch wenn eine gewisse Strukturierungsfähigkeit später sehr geschätzt werden wird – aber eben erst später. Gegenüber dem Personalmanager können Sie anders auftreten, als gegenüber Ihrem neuen Chef, als gegenüber Ihren möglichen neuen Kollegen, als gegenüber den Freunden, denen Sie später davon erzählen.
Auch wenn Ihr Profil nicht ganz so optimal ausgeprägt ist: Ganz ruhig. Sie werden dennoch einen Job bekommen. Sie müssen sich nur den Job suchen, der Ihren Dispositionen entspricht. Wenn Sie eher skeptisch veranlagt sind, bewahrt Sie die richtige Organisation wahrscheinlich oft vor risikoreichen Abenteuern. Weiter so! Wenn Sie sich reserviert verhalten, brauchen Sie wahrscheinlich diese Zeit, um Energie zu tanken und für andere der Fels in der Brandung zu sein – auch wenn Sie andere oft dafür in der Brandung ziemlich nass werden lassen. Wichtig ist, dass Sie sich besser kennen lernen und nicht überrascht sind, wenn andere von Ihnen überrascht sind. Jede Disposition, die eine Persönlichkeit vorgibt, ist gut für eine Aufgabe und nicht alle für jede. Achten Sie nur darauf, diese Dispositionen nicht zu sehr im Interview auszuspielen. Letztlich hat jeder Vorgesetzte und Personaler immer einen besseren Eindruck von Ihnen, wenn das Gespräch angenehm verlief. Also selbst ein Revisor sollte nicht zu sehr Revisor im Erstgespräch sein.
